Der Herbst ist da

Ungern verlässt man den sommerlichen Arbeitsplatt auf der Terrasse im Schatten, doch wird genau dieser Schatten mittlerweile aggressiv kühl, man möchte auch nicht mehr draußen sich zum Essen niederlassen, und so zieht die Papierkarawane ins Büro.

Der luftig leichte Laptop bekommt eine Erholpause. Der alte, mächtige PC-Turm surrt und der Schreibtisch rutscht in weiser Vorahnung in Richtung Heizkörper. Vorbereitung ist alles!

Vorzügliche Unterstützung erhalte ich auch aus meinem Supermarkt um die Ecke – Lebkuchen soweit das Auge reicht und so verfliegt etwas die Sehnsucht nach diesem luftigen Arbeitsplatz. Andere Zeiten, andere Sitten, ein kurzer Gedanke an den diesjährigen Weihnachtsschmuck und los geht es.

Bescheiden hatte sich von Mai bis September ein Papierstapel auf dem Terrassentisch gehalten. Jederzeit griffbereit bei einsetzendem Regen und herannahenden Grill-Gästen, um die Flucht zu ergreifen oder Platz zu schaffen.

Und genau dieser Stress hat nun ein Ende!

Platz – Platz in allen Himmelsrichtungen. Ein großer Schreibtisch, viele Regale und selbst die Fensterbank lädt attraktiv zur Ablage ein. Ich frage mich ernsthaft, wie ich 5 Monate lang ohne diesen Luxus ausgekommen bin.

So vergeht die Eingewöhnungsphase wie im Fluge!

Mittlerweile bin ich mir aber nicht mehr ganz sicher, ob ich wirklich nur meinen Papierberg hab umziehen lassen. Vielleicht war ich ein wenig unachtsam, was meine übereilte Flucht betrifft und habe unter Umständen Tiere von Feld und Wald mit eingeschleppt. Ich kann alle beruhigen, ich erzähle nicht von krabbelnden Käfern oder sonstigen Insekten. Es muss etwas deutlich größeres sein – wesentlich größer!

Mein Verdacht fällt auf ein oder sogar zwei Eichhörnchen. Die putzigen Tierchen, die gerne alles für den Wintervorrat vergraben.

Jeden Morgen wundere ich mich also über die Papierberge und werde von hektischer Natur, wenn ich unter diesem Blattwerk etwas suchen muss. Da ein Kaffeelöffel, dort ein Reststückchen Schokolade liebevoll in Stanniolpapier gewickelt, aber der Locher oder der Tacker bleiben unauffindbar.

Das war ich nicht! Solche Papierberge produziere ich niemals und ich erinnere mich voller Sehnsucht an den wohlsortierten, sommerlichen Stapel.

Und manchmal, wenn ich mir mal wieder ganz sicher bin, dass wirklich keine Eichhörnchen im Haus sind, schaue ich verstohlen in den Spiegel und suche nach putzigen Barthaaren oder ersten, zarten Fellansätzen…