| Sonntag 28 Mai 2017 |

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Monatszitat

Bewahre uns vor Leuten, die Regie über unser Leben führen möchten.

 

nach Peter E. Schumacher (1941-2013), Publizist

 

Die dümmsten Eltern der Welt

So jedenfalls müsste die Sendung „Die strengsten Eltern der Welt“ eigentlich heißen, denn irgendwie muss es ja auch mit den Genen zusammenhängen, dass da solche rappelköppigen Loserteenies in der Welt rumlaufen sollen, und das alles auch noch mit der Hoffnung, dass das Privatfernsehen den überforderten Müttern am Rande des Nervenzusammenbruchs helfen möchte und nicht etwa ein paar Trottelfreaks mit geballter Häme vorführen will, weil die noch zu jung sind für die sonstigen Verkupplungsformate und zu untalentiert für irgendwelche Castingshows. Und das will echt etwas heißen.
Überhaupt sind es immer alleinerziehende Mütter ohne Job und Perspektive gewesen, die bisher die Kinderverschickung von Sat1 mitgemacht haben. Das Klischeebild war immer identisch in den Sendungen, die ich gesehen habe – jeweils ein Junge und ein Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren wurden nach Afrika oder Fernost geschickt. Der Junge wird stets als vorbestrafter Rabauke mit Null Perspektive und allenfalls fragmentaler Hauptschulbildung vorgestellt, das Mädchen ist immer ein frühreifes Partymädchen und eine Schulschwänzerin. Die völlig überforderten Erziehungsberechtigten sind dem Appell des Senders gefolgt und haben in der inzwischen 5 Staffeln umfassenden Doku-Soap sich und ihre Monsterkinder bei Sat1 „gemeldet“ – das kommt uns alles aus der „Supernanny“ bekannt vor, nur dass eben diesmal die Kinder zu den Nannys müssen.

Soweit, so gut – nur was uns hier als tolle Doku-Reality-Life-Hautnah-Sendung verkauft werden soll, ist allenfalls eine durchinszenierte Wiederholungskomödie, die wie ein Dschungelcamp von findigen Redakteuren mit allerhand eingeworfenen Flashforwards und Flashbacks zu einem Freudenfest der Schadenfreude mit anschließendem Happy-End zur Versöhnung der Gemüter zusammengeschnitten worden ist.
Auch wirkt die Authentizität selten glaubwürdig. Immerhin haben wir es hier mit Teenagern zu tun, die angeblich - laut Vorstellungsteaser, der das erste Viertel jeder Sendung ausmacht - als vollkommen phlegmatische, verlotterte soziale Pflegefälle beschrieben werden, die den lieben langen Tag vor PC und Fernseher verbringen. Die Sendung läuft wie erwähnt seit 5 Staffeln – und urplötzlich werden solche Kids dann von den verhassten Erziehungsberechtigten zu einem tollen „Partyurlaub“ eingeladen, in den sie ganz alleine fliegen, erst am Zielort aufeinandertreffen und dann noch meilenweit auf Planwagen durch die Pampa tuckern, bis sie auf eine Hütte aus der Bronzezeit stoßen, in denen die in Lumpen gehüllten Pflegeeltern biwakieren, denn in Afrika ist selbstverständlich die Zivilisation stehengeblieben, da wohnen alle Menschen noch in Strohhütten auf Ascheplätzen und haben nichts weiter am Leib als gebrauchte C&A-Klamotten.
Dass auf dem ganzen Weg Kameras dabei sind, obwohl es ja zu einem gewöhnlichen Partyurlaub gehen soll, müsste eigentlich den dümmsten Teenager misstrauisch machen, auch wenn er noch nie „Stromberg“ gesehen hat, denn das ist ja auf der Arbeit. Selbst im Flugzeug werden fleißig Aufnahmen gemacht, dem Schein halber mit der eigenen Handykamera oder was immer einem die absichtlich dilettantischen Aufnahmen mit eingeblendetem RECORD-Symbol suggerieren wollen. Aber das kennen wir ja alle von langen Flugzeugreisen – man nimmt seine Kamera und macht Videos von sich, in denen man das aktuelle Geschehen kommentiert und sich über sein Reiseziel wundert, feststellt, dass Bongobongatown ja gar nicht auf Malle liegt etc.

Wie die zur Teilnehmervorstellung eingespielten angesprochenen Szenen aus dem „Alltag“ zu Beginn jeder Folge entstanden sind, ist demnach auch ein Rätsel. Mein Gedanke ist ja gewesen, dass sich Sat1 da dank eines guten Drahts nach oben bei den Kameraaufzeichungen vom Lieben Gott bedienen durfte, aber ein nicht so bibelfester Bekannter von mir vertritt die abenteuerliche These, dass das alles inszeniert ist und die Szenen mit ausrastenden, rotzfrechen Teenagern nur gespielt sein sollen vor den Kameras des Senders! Dann würden die aber doch wissen, dass das gar kein Partyurlaub ist, das wäre ja so, wie wenn die Dschungelcamp-Promis gar nicht wissen würden, dass sie keinen Hollywood-Film mitdrehen sollen, sondern in eine Kakerlakenplantage zum Verhöhntwerden abgeschoben werden … andererseits …

Vermutlich unterschätze ich immer noch die Auswirkungen des Hurra-ich-komme-ins-Fernsehen-Effektes, den sich die Fernsehsender in jahrelanger Kleinarbeit mit geschickter Programmauswahl mühevoll und flächendeckend aufgebaut haben. Dass andere die Beteiligten gnadenlos verspotten werden, sobald sie diese als in ihrem Umfeld befindlichen Subjekte wahrnehmen, und dass dieser Umstand dann nicht zuletzt an der Art und Weise liegt, wie die Macher der Serie ihre Berichterstattung abzelebrieren, übersteigt gewiss den geistigen Horizont sowohl der Erziehungsberechtigten als auch der trotz Berechtigung Nichterzogenen. Ich persönlich halte es für unwahrscheinlich, dass man die Jugendlichen in gänzlicher Unkenntnis und gegen ihren Willen an den Rand der Zivilisation verschleppt – dagegen sprechen Jugendgesetze und Menschenrechte. Zudem ist es fraglich, dass sich das die so angeblich sehr schwierigen Betroffenen gefallen lassen würden, es sei denn, es sind in Wirklichkeit nur arme Totalversager, in denen man den Traum vom Fernsehstar listig geweckt hat, auf dass sie bei dieser TV-Groteske ihre scheinbare Uninformiertheit vorspielen. Dass sie danach über den weiteren Ablauf vermutlich ein wenig euphemisierend informiert worden sind, ist die einzige Würze, die dem Betrachter als Voyeur bleibt. Aber mehr als die typische Dschungelcamp-Spontancholerik der Beteiligten ist dann auch nicht drin, außer dass niemand sagen kann, er will hier raus – denn sie sind ja keine Stars.
Was die Gasteltern betrifft, so halte selbst ich als jemand, der noch glaubt, das Spielzeug in den Warenhäusern zur Weihnachtszeit sei von Elfen gefertigt worden, es für möglich, dass da auch ein wenig geflunkert wird.
Man stelle sich vor, das afrikanische Fernsehen würde ein solches Format drehen, vermutlich würden sie ihre Schlingelchen nach Deutschland schicken, und die Gastfamilie wäre ein Trupp barbarischer Goten, die in Fellen gekleidet im Teutoburger Wald hausen und dort Bären jagen. Umgekehrt kann man dem typischen Deutschen wohl vorgaukeln, in Afrika wimmelt es von rückständigen Nomadenfamilien, die seit der Steinzeit nur den Plastikkanister zum Wasserholen erfunden haben, der dann manchmal sogar (wie in einem von mir gesehenen Fall) an einem einige Kilometer entfernten Wasserhahn gefüllt werden muss. Die afrikanische Gastfamilie hat natürlich ihre Strohhütte nicht neben dem Wasserhahn aufgebaut. Wäre ja auch sonst keine Schikanearbeit für nervige freche deutsche Kinder gewesen.
Und eben diese rückständigen Menschen, die immerhin Kleidung aus Polyester und bunt bedruckten Industrietextilien ihr eigen nennen dürfen, die also aus reinem Willen, Wunsch oder Trotz der afrikanischen Zivilisation entsagen, die lassen ein Kamerateam mit Sendewagen tagelang bei sich gastieren, ohne auch nur einen von ihnen in den Missionarskessel zu werfen und - wie man es von den rückständigen Wilden doch erwarten müsste - mit Haut und Haar zu verspeisen. Eher ist es denkbar, dass Sat1 den Familien den Jahreslohn, den eine Firma ihnen sonst für das Turnschuhnähen zahlt, versprochen hat, damit sie ein paar Tage die Vorzeigeprimaten spielen, um das unbedarfte deutsche Publikum zu amüsieren. So haben dann ja alle etwas davon, die arme Gastfamilie muss ein Jahr nicht arbeiten, und Sat1 hat für umgerechnet 300 Euro eine ganze Familie als Darsteller gewonnen. Da kann man keine Schwarzwaldklinik mit füllen.

Aber der Hauptschwachpunkt dieses natürlich auch im Franchise produzierten Sendeformates – es hat also wie fast alles, was die Prima…Privaten senden, internationale (in der Regel angloamerikanische) Lizenzgeber – liegt in dem sich ständig wiederholenden Ablauf, in dem wöchentlich nur die Namen der Nervensägen wechseln. Michelle und Dennis, Marcel und Chantal, Jennifer und Angus-Caprice, Bajonetta und Ronaldinho oder wie die dargestellten Prekariatshaushalte heutzutage ihre Kinder benennen, werden erst einmal in den besagten Einspielern als wahrhafte Teufelsbrut charakterisiert, die sich selber teilweise vorstellen und bei denen dann auch vom off-Kommentator keine Möglichkeit ausgelassen wird, sie als schäbige Versager und untragbare Nichtsnutze darzustellen. Das wird dann bisweilen unterbrochen von den verzweifelten Erziehungsberechtigten, die natürlich gar keine Möglichkeit mehr haben, ihre bisher nicht erfolgte Erziehung nun zu verfeinern, verbunden mit einem rührseligen Blick ins Fotoalbum – oder die Losebildersammung, je nach Haushaltsführung. Wir alle wissen ja, auch Darth Vader war mal ein niedlicher Junge gewesen. Hätte man den als rebellischen Teenager vor Episode 3 mal eine Woche zu den Ewoks geschickt, aus dem wäre ein zweiter Yoda geworden. Die Ohren hätten ihm die albernen Teddybären schon lang genug gezogen, wenn er ihren Stall nicht sauber fegen wollte oder ihre Weibchen nicht gemolken hätte.
Dann kommt die immer wiederkehrende Verlade mit der „Partyreise“, für die sich die Rotznasen nicht einmal bedanken, sondern beim Abschied dann noch irgendeine infame Unflätigkeit von sich geben, um sie gänzlich als Unsympathen auszuzeichnen. Irgendwie steht aber immer ein Kameramann mit einem Redaktionsassistenten in der Nähe, denn mit wem sollten die Partyreisenden sonst reden oder nach dem ersten Zusammentreffen mit dem Mitreisenden die Meinung über den jeweils anderen bekannt geben? Auch da kommt immer das Selbe aus den blondierten und bepiercten Klappsköppen raus: Der Bub will das Gör gern im Bikini sehen, das Gör findet den Bub meist dämlich und beknackt. Vermutlich sind sie auch die einzigen, die diese Sendung niemals im Fernsehen anschauen werden. Gewöhnlich wartet der Sender bei solchen Formaten mit der Ausstrahlung einige Monate bzw. es wird entsprechend zeitversetzt vorproduziert, so dass in der auf die Aufnahme folgenden zwangsweise einsetzenden Peinlichkeit aller Beteiligten das Stadium der Selbstverleugnung groß genug sein muss, um die Sendung so weit verdrängt zu haben, dass es vollkommen genügt, wenn alle Nachbarn und Schulkameraden die sich anschauen, um damit zeitlebens bestraft zu sein.
Dann geht es ab zur Gastfamilie, und auf dem Weg dahin fällt es auch den deppertsten Partygören irgendwann auf, dass das alles doch nicht der Ballermann ist, auch von Jürgen Drews und Mickey Krause keine Spur. Stattdessen dringt man in Galaxien vor, die nie einMensch zuvor gesehen hat – so will es die Sendung einem jedenfalls glauben machen. Der Verdacht, dass alles immer halb in der Eifel, halb im Studio Hollymünd gedreht worden ist, kommt bisweilen auf.
Bei der Gastfamilie folgt der Aufenthalt auch relativ streng immer nach dem Handlungsbogen Ankunft/oberflächliche Unterordnung – erste Probleme/Aufgabenverweigerung/Bestrafung – Eskalation unter den Gastkindern – Fügung/Reue/emotionaler Zusammenbruch, wobei meist der mitgelieferte „Brief von Daheim“ Auslöser ist – Ende und Läuterung.
Allerdings kommt hier nach zwei Wochen nicht nochmal die Nanny gucken. Vermutlich werden die meisten Teenies, sobald sie mit der Schule fertig und HartzIV-bezugsberechtigt sind, dann bald Besuch von Peter Zwegert bekommen.

A propos Peter: Wenn Peter Lustig noch in diesem blauen Wohnwagen wohnen würde – also ich wüsste eine prima Gastfamilie. … Löwenzahn 2013 mit Schmuddelkindern zur Integration in die Gesellschaft – aber mich fragt ja keiner. Was ich für Ideen hätte – am Broadway könnte man sie aufführen. Aber da kann ja keiner Werbung gucken. Die guten Ideen lohnen sich eben heutzutage nicht mehr in einer Welt ohne Marlene Dietrich.

Lies das mal

 

Super guter GRUSEL - KRIMI !

 

Sechs

von Thomas Gast


Eine grausame Mordserie versetzt die Bevölkerung einer Kleinstadt in helle Aufruhr. Die Morde, jeder einzelne gleicht einem Horrorszenario, zeugen von abgrundtiefem Hass und von der ungezügelten Lust des Täters, seine scheinbar wahllos ausgewählten Opfer bis zum bitteren Ende leiden zu lassen.

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Fundstück ...

Dr. Nfish

Beim Niesen setzt das Herz aus.

Sind wir satt, hören wir schlechter.

Täglich atmet man ca. 700.000 eigene Hautschuppen ein.

Ein Blauwal-Herz ist so groß wie ein VW-Käfer.

 

Lektionen

No. 31

Das erste Autokino eröffnete im Juni 1933. Der Eintritt kostete 25 Cent pro Auto und pro Person.

 

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