| Dienstag 25 Jul 2017 |

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Bewahre uns vor Leuten, die Regie über unser Leben führen möchten.

 

nach Peter E. Schumacher (1941-2013), Publizist

 
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SchwachPerfekt 

Ein Tag mit OBI

Drama in 3 Akten

 

Dieser Bericht sei all denjenigen gewidmet, in denen nicht ein begnadeter Handwerker und autodidaktischer Vollblutbastler steckt; jenen Mitmenschen also, die auf derlei Gebiet eher serviceorientiert ausgerichtet sind. Denn andernfalls kann man sich ja die Sachen, die man benötigt, im Wald, im Steinbruch oder auf der Baustelle selber holen und braucht keinen teuren Personalapparat, bestehend aus hochgeschulten Handwerksmeistern und Fachberatern mitzufinanzieren.

Dies ist meine Grundeinstellung; ich schreibe sie gleich vorweg, damit es nicht etwa zu Missverständnissen kommt ob der Intention meines Artikels.

Vorteile: Man trifft oft Freunde, meistens beim Grillzeug, inzwischen hat unser Obi ein leckeres Bistro.

Nachteile: Obi heißt schon Herr Kenobi

 

Nun zur Geschichte:
Um meine Küche um eine sinnvolle technische Einrichtung zu erweitern - gemeint ist hier ein Spülschrank (ihr wisst schon, so ein Ding mit unten Schrank und oben Spüle), ging ich - getreu dem Motto: das Billigste ist gerade gut genug für mich - in den Obi meiner Heimatstadt. Es gibt deren zwei; ich ging in den größeren, schöneren, neueren mit noch mehr Parkplätzen und einem Bäckerbistro in der Empfangshalle. Flugs hatte ich mir für eine Plastikscheibe ein Wägelchen organisiert, denn man muss ja alles selber machen im Laden.
Also, tragen tut einem keiner was zur Kasse, geliefert wird auch nicht, spart halt alles Kosten, und jeder hat etwas davon. So weit, so gut.

Ich weiß schließlich auch, was ich will. Das Ding aus dem Faltblatt für 55 Euro, weißer Unterschrank und Stahlspülenoberummantelung zum selber Zusammenbauen. Solange ich nicht sägen, fräsen, schweißen und schmieden muss, kriege ich das hin. Bin schließlich im Ikea-Zeitalter aufgewachsen und habe sogar einmal 2 Monate in einem Ikea-Markt gewohnt, bis die Geschäftsleitung darauf aufmerksam wurde und dies unterband.

DER HAMMER, Aufzug

Nun stand ich also in dem Bereich „Küchen/Sanitär“, übrigens gut zu finden, da Schilder an den Decken hängen. In der Infobox saß kein Mitarbeiter. Vor ihr standen viele Menschen. Sie waren zum Teil sehr alt, die Männer hatten alle lange Bärte. Einige saßen auf Stühlen oder versuchten sich, mit einem Gaskocher eine Suppe warm zu machen. -Ok, Schnitt, ist etwas übertrieben: da standen nur zwei Leute, und sie wurden sicher auch so schnell wie möglich bedient. Vielleicht war auch schon einer für sie unterwegs, ich weiß es nicht. Will ja mal nicht übertreiben und schon gar nicht etwas Falsches, am Ende noch Unhaltbares erzählen.

Im Gang fand ich einem Mitarbeiter. Er war betrunken und lag schon recht lange auf dem Boden. Seine Hose war in der Schrittgegend feucht und verklebt. -Nein, das stimmt nicht; das habe ich mir gerade ausgedacht. Nichts davon ist wahr in dem vorausgegangenen Satz.
Also: ich fand einen Mitarbeiter; das war so ein Typ Altmeister mit leichtem Hang zum Verbitterungszynismus, gepaart mit Desillusioniertheit und Wochenendfrust. Ja, es war Samstagmittag, das vergaß ich zu erwähnen.
Ich sagte ihm, dass ich eine Spüle haben wollte, und sogar auch, welche! Tolle Sache, er musste kein Verkaufsgespräch mit mir führen, mein Verbraucherverhalten anhand offener Fragestellung eruieren oder gar groß auf mich eingehen. Ich wollte nur wissen, welche Teile ich zur Kasse schleppen sollte. Das tat der gute Mann dann. Er bat mich allerdings (viel mehr, wies mich an), die Sachen selber auf die Karre zu hieven, weil er es im Rücken hätte, und ich sei ja ohnehin ein kräftiger Kerl. Gut, ging klar; er hatte ja schon genug getan für heute und für mich. Eigentlich war auch schon alles gelaufen, dachte ich mir. Es ging dann nur um eine letzte Kleinigkeit: Ich hätte gern einen Spülaufsatz mit einem Loch links oberhalb des Beckens (denn es gibt zwei sinnvolle Möglichkeiten, wo man den Wasserhahn hinhaben will, und dass der ein Loch braucht, weiß sogar ich).

DER HAMMER, 1.Akt

Das war aber denn nun doch keine Kleinigkeit. Der gute Altmeister meinte, so ein Loch, das müsse ich mir selber bohren, das sei gar nicht so schwer.
Da ich nun aber als Heimwerker nur zum Schrauben, Klemmen, trocken Kleben und Kaputtbrechen tauge, meinte ich, „doch, schon“. Da ich aber vor einigen Jahren schon mal im Obi war (der Markt war damals kleiner & woanders), erinnerte ich mich an einen Servicebereich, in dem den geneigten Kunden gegen ein geringes Entgelt Bretter passend geschnitten, Fugen gefräst und auf Wunsch sogar Löcher in Artikel gestanzt und gebohrt wurden. Die Koryphäe der Spülküchen antwortete desinteressiert, das gäbe es nicht mehr, dafür sei auch gar keine Zeit mehr. Ich sah mich in die Ecke gedrängt, und behauptete, ich würde sogar dafür bezahlen, dass man mir etwas Blech an der richtigen Stelle wegnähme, daran sollte es schon nicht scheitern. Der Guru im Sanitärbereich retournierte lakonisch, ich könnte ja mal bei der Hauptinfo fragen, die verleihen auch Material. Naja, dachte ich, hier komme ich eh nicht weiter, Kaffee wurde mir bisher trotz aller Kundenfreundlichkeit auch nicht angeboten, von leichtem Gebäck ganz zu schweigen, zog ich also mit meiner Ochsenkarrenladung Spülküche gen Hauptinfo.

Da war dann so ein Mädchen um die 23, die sah so gar nicht nach Handwerkerin aus, eher nach Studentenzeitarbeiterin, da schwante mir schon Übles. Ich schilderte ihr also exzerpiert mein Anliegen und wies nachdrücklich auf meine materielle und sachliche Unfähigkeit des Löcher-in-Blech-Bohrens hin, aber sie meinte, dass sei ganz einfach, ich müsse da so ein Ding für 10 Euro kaufen, damit kann man systematisch ein Loch in ein Blech bohren. Ich sagte, selbst wenn ich das täte, wäre das ziemlich blöde, für die - zugegeben notwendige - Penetration eines 55-Euro-Artikels knapp 20% zusätzlich in einen einmaligen Gebrauchsgegenstand ohne weiteren persönlichen Wert zu investieren. Den Durchmesser meines Wasserhahnes konnte sie mir auch nicht nennen, es gab aber zwei Möglichkeiten; da hätte ich ja sogar das Doppelte draufgezahlt. Sie beschwichtigte mich, ich könne mir ja auch so ein Ding leihen, das koste nur 2,50 Euro pro Tag. Unnötig zu erwähnen, dass der Sonntag mitzählt (Obi ist schließlich keine Videothek), es Samstag mittags 2 Stunden vor Geschäftsschluss war und somit am Montag 7,50 Euro fällig gewesen wären. Eine Kaution von 20 Euro hätte es natürlich auch noch gebraucht; die Dinger werden so oft schlecht zurückgespult und die Hologramme sind gerissen. Na gut, der Satz nach dem Semikolon war stark polemisch, da sind wohl die Pferde wieder mit mir durchgegangen. Ich ziehe ihn hiermit zurück.

DER HAMMER, 2.Akt

Ich zog die ceteris-paribus-Klausel: Was denn mit dem Ding zu machen sei, wenn, ja wenn ich es denn leihen würde. Das sei ganz einfach, meinte die Grazie der Kundenverwöhnabteilung, nachdem sie den Kopf aus meinem Schoss hob und einen Schluck Eiweiß in den Magen rauschen ließ. Oje, ich ertappe mich wieder, dass ich ein wenig zu sehr ausschmücke. Also, die Schilderung im vorletzten Nebensatz ist so nicht richtig, es ist komplett erstunken und erlogen. Es hat so nicht stattgefunden. Definitiv. Ich fahre fort bei ...einfach: Ich müsse nämlich nur ein 10mm Loch bohren, um den Lochfräser darin anzusetzen und ein Loch damit bohren. Ja, also eine 10mm hätte ich jetzt auch gerne gehabt.
Womit denn, fragte ich, sollte ich als Mann des Geistes, der dem Dichten & Denken näher steht als der körperlichen, werkzeugabhängigen Arbeit, dieses, nennen wir es mal Vorloch, bohren? Ja, mit einer Bohrmaschine, hieß es. Ich habe nun aber keinen Fön, geschweige denn eine Bohrmaschine. Sonst könnte ich mir ja mit einem 36mm-Bohrer das ganze Drissloch auch selber bohren, fügte ich in entschärfter Form hinzu. (Die gute Frau konnte ja nix dafür, tat nur ihren Job.)
Ich fragte nur mal so zum Spaß, ob ich mir auch eine Bohrmaschine bei Obi leihen könnte.
Die Spitze nicht heraushörend, zwitscherte die Infoschnecke mit dem vielen Platz hinter den Augen: „Ja, das geht auch.“ Auf Konditionen wollte ich dann nicht eingehen, sondern dem ganzen lieber eins draufsetzen. Daher wollte ich wissen, ob mir denn, wenn ich den ganzen Rummel hier miete und ihn einer Obi-Fachkraft in die Hand drückte, mir diese Kraft womöglich mein Loch bohren könnte. Ich würde derweil auch den Kaffee/Tee/Zinn 40 solange vertretungsweise trinken (dachte ich bei mir). Da war die Holde aber nun überfragt und verwies mich mit meinem Anliegen an die Sanitärinfo (aus dem 1.Akt).

DER HAMMER, 3.Akt

Der Spannungsbogen begibt sich in Richtung retardierendes Moment. Diesmal wollte ich anders vorgehen. Ich setzte meine Raum-Zeit-umfassenden Kräfte ein und schuf eine Realität, in der ich all die Informationen, die ich bisher erhalten hatte, verdrängte. So geistig geleert begab ich mich an die Info. Die beiden Leute aus dem 1.Akt waren skelettiert - -weg, weg meine ich. Zügig bedient und zufrieden zuhause. Schon lange. Mit ihren schönen Obi-Artikeln. Genau das wollte ich sagen. Jedenfalls war da gerade ein junger, sympathisch aussehender Zeitgenosse in Biberkluft (ein Trickdieb?), den ich ansprechen konnte. Ich schilderte also meinen Wunsch nach einem von Meisterhand gebohrten Loch und war auf seine Replik gespannt. Er sagte, AUS HAFTUNGSGRÜNDEN würde so etwas nicht mehr gemacht, leider, leider. Kein Problem, konterte ich schnell, ich bin gerne und schriftlich bereit, Obi von jedweder Haftung aus fahrlässigen oder motivbezogenen Gründen freizuhalten. Mit soviel juristischem Verbraucheresprit hatte er wohl nicht gerechnet, jedenfalls zog er nun ein As aus dem Ärmel: ER HAT KEIN WERKZEUG DAFÜR!!!!!!
Ich atmete lächelnd ein, dankbar über so ein leichtes Los. Mein Konter war eisenhart und wohlplatziert: ich habe dieses Werkzeug auch nicht, aber dieses Problem lässt sich ja hier im Verbrauchermarkt eher lösen als bei mir daheim, schlug ich vor. Derart aus der Fassung gebracht wendete er die Taktik und behauptete, er könne das gar nicht, selbst wenn er das Werkzeug habe. Was er denn überhaupt könne in seinen Biberklamotten, fragte ich mich und ihn, ob er da vielleicht mein Problem dann nachvollziehen könnte.
Mit dieser Taktik hatte ich gewonnen: er zog die TEAM-Karte. Denn TEAM heißt bekanntlich Toll Ein Anderer Machts. Und solange ich das nicht bin, ist es ok...
Er deutete auf einen Biberkollegen, der vor einem Mann mit Hemd und Kragen sprach, welcher wohl was zu sagen hatte in dem Laden. Der Infomann riet mir, ich solle den Herrn XXXX (im Biberdress) wegen des Loches fragen, möglichst laut, denn der Mann mit Schlips sei der Chef, dann würden die das wohl machen, weil der Chef dabeisteht. Umsonst natürlich. Klar. Der Kunde ist König. Kaiser. Ach was, Papst.

DER HAMMER, Abgang

Ja, so war es dann auch. Ich hielt mich an die Vorgaben jenes geschlagenen Infomannes und tat, wie mir geraten. Es gelang mir sogar, die Aufmerksamkeit des Obermarktführers zu erheischen, obwohl dieser gerade ein Gespräch (sicherlich kundenmotivierender Art) mit einem weiteren Mitarbeiter führte. Ja wirklich, ich habe drei Obi-Mitarbeiter AUF EINMAL gesehen. Einen Punkt machte der Marktleiter allerdings noch gegen mich, quasi um sein Gesicht zu wahren: Natürlich, so beschied er mir, mache man das gerne und freilich völlig kostenlos, Werkzeug müsse ich auch nicht mieten (sicher eine private illegale Nebeneinkunft der Obi-Mitarbeiter), nur halt - mit Bitte um Verständnis - nicht heute am Samstag. Da brumme der Laden so, man würde den ganzen Tag nichts anderes tun als sich vollaufen - -verkaufen, ich meine verkaufen. Aber ich könne gerne anrufen am Montag, da solle ich einen Termin mit dem Herrn XXXX machen, der bohrt mir das Loch und ich kann die Spüle abholen. Immer wieder gerne. Ihr OBI.

Und so geschah es.

Ja, und die Spüle hat ihr Loch, das ist supergut, der Wasserhahn steht wie eine 1+, der Obi muss auch für nix haften, weil die spitzenmäßige Arbeit gemacht haben.

Glückwunsch, Leute. Weiter so.
Mal sehen, was ich noch so brauche...

 

Lies das mal

 

Super guter GRUSEL - KRIMI !

 

Sechs

von Thomas Gast


Eine grausame Mordserie versetzt die Bevölkerung einer Kleinstadt in helle Aufruhr. Die Morde, jeder einzelne gleicht einem Horrorszenario, zeugen von abgrundtiefem Hass und von der ungezügelten Lust des Täters, seine scheinbar wahllos ausgewählten Opfer bis zum bitteren Ende leiden zu lassen.

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Fundstück ...

Dr. Nfish

Beim Niesen setzt das Herz aus.

Sind wir satt, hören wir schlechter.

Täglich atmet man ca. 700.000 eigene Hautschuppen ein.

Ein Blauwal-Herz ist so groß wie ein VW-Käfer.

 

Lektionen

No. 25

Steine hüpfen am weitesten über das Wasser, wenn sie in einem Winkel von ca. 20 Grad auf die Wasseroberfläche auftreffen.

 

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