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Bewahre uns vor Leuten, die Regie über unser Leben führen möchten.

 

nach Peter E. Schumacher (1941-2013), Publizist

 
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Schlingensief

 

Am Samstag dieser Woche verstarb Christoph Schlingensief nach schwerem Krebsleiden kurz vor seinem 50. Geburtstag.Viel zu früh ging somit nicht nur in meinen Augen ein großer Künstler - trotz der Weitschweifigkeit ist dieser Begriff für ihn der passendste - von uns, der vermutlich nun posthum mehr gerühmt werden wird als es ihm zu Lebzeiten vergönnt und sicherlich gerecht gewesen wäre.
Denn Christoph Schlingensief war kein bequemer Zeitgnosse; er arbeitete gern mit der Wahrheit, zeigte sie aus der Nähe und überbetonte sie, dass sie den befangenen Betrachtern wie Zynismus vorkam, letztendlich war dies aber nur das Ergebnis seiner provokativen Konfrontation.
Als er zum Beispiel 2003 mit Freak Stars 3000 das gängige Fernsehprogramm parodierte und dafür als Darsteller ausschließlich geistig Behinderte auffuhr, da warf man ihm vor, er mache sich über Behinderte lustig. Dabei fand die Diskriminierungllenfalls im Auge des Betrachters statt, der sich nicht vorstellen kann, dass geistig Behinderte das gleiche Fernsehprogramm gestalten koönnen wie (angeblich) geistig normale Menschen, und auch dabei Freude haben. Diese Diskrepanz zu erkennen war allenfalls Schlingensiefs Intention.
Oder als er 2000 im Rahmen der Wiener Festwochen das Big-Brother-Projekt karrikierte, indem er statt dem klassischen Arbeitslosen oder Klischeeprekarier eben Asylbewerber einziehen ließ in seiner Version von Big Brother, die mittels Televoting dann abgeschoben werden konnten. Auch hier ging es darum, eine vielmehr unmenschliche Asylpolitik Österreichs anzuprangern statt sich über Minderheiten lustig zu machen, die Provokation war nur der Anlass zum Nachdenken.
Kunst soll nicht unterhalten, sondern bewegen. Und bewegen wollte Schlingensief die Menschen; dass er die Welt ändern könnte, von der Vorstellung hatte er sich sicher längst verabschiedet. So verschwand auch mit zunehmender Schaffenszeit der satirische Unterton aus seinen Darbietungen, der anfangs noch viel stärker vorgeherrscht hatte, als er auch noch des öfteren mit Helge Schneider zuammengearbeitet hatte. "Das deutsche Kettensägenmassaker" war 1990 sein Beitrag zur Wiedervereinigung, als noch alle freudetrunken ob des territorialen Zuwachses mit Wunderkerzen am Brandenburger Tor standen und die unbesiegbaren Jahrzehnte im Weltfußball erwarteten. Es erntete genauso viel Unverständnis und Irritation wie ein Jahr zuvor sein Werk "100 Jahre Adolf Hitler", wohl weil sich in Deutschland nur SPIEGEL-Magazine mit solchen Titeln verkaufen lassen, aber eine unkomplizierte Aufarbeitung der Vergangenheit war zu der Zeit in noch viel weiterer Ferne als heutzutage, wo wenigstens satirische Beiträge á la "Obersalzberg" bei "Switch Reloaded" schon im Free TV ausgestrahlt werden dürfen, ohne dass der Sender die Lizenz verliert.
Das erste Mal, dass ich mit Schlingensief konfrontriert worden bin war 1997, als auf dem damals noch mehr wie heute trashigem Sender VOX "Talk 2000" des Nächtens ausgestrahlt wurde; die heute alltäglichen Schmalspurtalkshows waren damals gerade erst im Tommen und tasteten sich mit ihren grindigen Fingern zögerlich durch das Spätprogramm in unsere Wohnzimmer, als Christoph Schlingensief sie schon lächerlich-bedeutsam genug fan, um sie karikativ zu toppen. Ich liebte seine Show, nicht nur, weil ich Schwierigkeiten hatte zu unterscheiden, was echt und was inszeniert war, sondern weil es wirklich das ganze Konzept so dermaßen ad absurdum führte, dass ich spätestens seitdem keine Talkshow mehr ernst nehmen konnte. Sasha Baron Cohen hat mit seiner Figur Ali G. ja in meinen Augen ein ganz ähnliches Konzept entwickelt, und obwohl ich das auch sehr unterhaltsam find, war doch Schlingensief für mich immer der Pionier im Talkshowverhöhnen. Ich denke, Schlingensief ist für alle eine Bereicherung, denen Stefan Raab zu prollig und zu angepasst ist & gleichzeitig bedauern, dass Harald Schmidt nur ohne Gäste brillant ist, und daher den Wunsch hegen, aus beiden eine Synthese zu bilden. Natürlich ist das jetzt sehr grob formuliert, aber ich sehe Christoph Schlingensief als eine solche. Zudem ist ihm Kommerzialität wohl stets suspekt gewesen, sein Talent als Künstler war eben so groß, dass er darauf nicht angewiesen war. Sich Kompromisslosigkeit leisten zu können ist eben eine hohe Form des Luxus, die einem nicht einmal geneidet wird. Dass ausgerechnet ein Nichtraucher wie Schlingensief zweimal an Lungenkrebs erkranken und letztendlich erliegen muss ist daher leider ein Zynismus, der jedweder Form der Satire entbehrt. Ohne Schlingensief ist die Welt nicht schlechter, aber um einen ärmer, der mit dem Finger draufzuzeigen versteht, ohne dass jeder sofort weiss, was er eigentlich meint.

Lies das mal

 

Super guter GRUSEL - KRIMI !

 

Sechs

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